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Betrieblicher Umweltschutz in Baden-Württemberg
 
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Sanieren von Asbestzement

Asbestzement ist ein Verbundwerkstoff mit einem Anteil von bis zu 15 % Asbestfasern. Wegen der vorteilhaften Eigenschaften des Asbests (hitzebeständig, elektrisch nicht leitfähig, chemische Beständigkeit, hohe Festigkeit) wurden solche Werkstoffe bis Ende der 80er-Jahre in großem Umfang verbaut. Typische Einsatzbereiche, die auch Maler- und Stuckateurbetriebe betreffen, sind Dacheindeckungen, Fassadenverkleidungen, Fensterbänke, Rohrleitungen oder Formstücke.
Asbestfasern unter dem Mikroskop

Gesundheitsgefährung


Inzwischen ist die krebserregende Wirkung von Asbestfasern allgemein bekannt. Ihre gefährliche Wirkung entfalten die Fasern nach dem Einatmen in der Lunge. Sie sind dort nicht biologisch abbaubar und reizen aufgrund ihrer Form das Lungengewebe. Die Zeit zwischen dem Einatmen von Asbestfasern und dem Auftreten von Krankheitssymptomen kann bis zu 40 Jahre betragen!

Verwendungsverbot


Ausgehend von diesen Gefährdungen wurde 1992 ein Verwendungsverbot für Asbestprodukte ausgesprochen. Dessen aktuelle Form findet sich in § 16 und im Anhang II der Gefahrstoffverordnung.
Demnach dürfen nur noch ganz bestimmte Arbeiten mit asbesthaltigen Produkten durchgeführt werden. Dazu gehören
  • Abbruch-, Sanierungs- und Instandhaltungsarbeiten
  • deren ordnungsgemäße Entsorgung sowie
  • behördlich oder berufsgenossenschaftlich anerkannte, emissionsarme Verfahren, bei denen eine gefährliche Faserfreisetzung vermieden wird.
Eingebaute Asbestzementbauteile setzen zwar durch Verwitterung nach und nach in geringem Umfang Fasern frei. Solange ihre Funktionstüchtigkeit noch gegeben ist, besteht jedoch keine Austauschverpflichtung für diese Baustoffe. Auf der anderen Seite ist es grundsätzlich unerwünscht, die Lebensdauer von Asbestzementprodukten durch zusätzliche Maßnahmen zu verlängern. In diesem Zusammenhang sind beispielsweise ausdrücklich untersagt:
Asbestzement-Wellplatten als Dacheindeckung
  • Überdeckungsarbeiten an Asbestzementdächern
  • das Reinigen von Dachflächen aus unbeschichteten Asbestzementprodukten und
  • Arbeiten, die zu einem Abtrag der Oberfläche von Asbestprodukten führen (Abschleifen, Abbürsten, Hochdruckreinigen)
Sanierung

Ist die Funktionsfähigkeit der Asbestzementprodukte nicht mehr gegeben (undicht, nicht mehr tragfähig) oder steht eine bauliche Modernisierung an, die die verkleideten Flächen betrifft, so bleibt nur noch die fachgerechte Demontage und Entsorgung.

Bevor Arbeiten an mit Faserzement gedeckten Dächern oder verkleideten Fassaden vorgenommen werden, besteht nach § 6 und Anhang I Nr 2.4.1 der GefStoffV eine Ermittlungspflicht bezüglich ihrer Asbesthaltigkeit. Diese kann beispielsweise über das Jahr des Einbaus eingeschätzt werden. Bleiben dennoch Unsicherheiten bezüglich der Asbesthaltigkeit, helfen nur noch Analysen weiter.

Demontage und Entsorgung


Zielsetzung bei Demontage und Entsorgung ist es, eine zusätzliche Faserfreisetzung weitestgehend zu vermeiden und während der Entsorgung bis hin zur letztendlichen Ablagerung einen sicheren Abschluss der Abfälle von der Umwelt zu gewährleisten.

Grundlage für eine fachgerechte Demontage und Entsorgung von Asbestzementprodukten stellt die „Technische Regel Gefahrstoffe TRGS 519 ─ Asbest, Abbruch-, Sanierungs- oder Instandhaltungsarbeiten“ dar. Sie regelt die notwendige Fachkunde und die Abläufe unter dem Aspekt des Gesundheits- und Umweltschutzes.

Sachkundenachweis

Zum Erwerb der Sachkunde nach GefStoffV bzw. TRGS 519 ist die erfolgreiche Teilnahme an einem zweitägigen, behördlich anerkannten Lehrgang mit abschließender Prüfung erforderlich. Dort wird das Wissen über den richtigen Umgang mit Asbestzementprodukten vermittelt. Angeboten werden solche Sachkundelehrgänge beispielsweise von den Fachverbänden und von Handwerkskammern. Interessenten können sich an diese wenden, um die nächsten Kurstermine zu erfahren.

Sachkundenachweise gelten für den Zeitraum von sechs Jahren. Vor dem 1. Juli 2010 erworbene Sachkundenachweise gelten bis zum 30. Juni 2016.
Sofern man selbst diese Fachkunde nicht besitzt, können sachkundige Betriebe im Unterauftrag mit den Demontage- und Entsorgungsarbeiten beauftragt werden. Adressen sachkundiger Betriebe können ebenfalls bei Handwerkskammern und Fachverbänden nachgefragt werden.

Anzeige der Asbestarbeiten bei der zuständigen Behörde

Asbestarbeiten sind der Behörde für jede Baustelle mindestens sieben Tage vor Beginn der Arbeiten anzuzeigen. Dazu ist das durch die TRGS 519 vorgegebene Formular zu verwenden. In diesem sind:
  • Art, Ort und Dauer der Arbeiten
  • die Art der asbesthaltigen Produkte
  • die Zahl und fachliche Qualifikation der Ausführenden
  • die Schutzmaßnahmen und
  • die Ansprechpartner anzugeben
TIPP: Werden Arbeiten an Asbestzementprodukten öfters, jedoch nur in geringem Umfang durchgeführt (Entfernen von Asbestzementplatten im Außenbereich, wenn die Fläche weniger als 100 m2 beträgt) so reicht eine einmalige betriebsbezogene Anzeige, die nur noch durch eine Mitteilung der jeweiligen Baustellen an die zuständige Behörde ergänzt werden muss.
Benennung eines Aufsichtsführenden
Für die Arbeiten vor Ort auf der Baustelle muss ein Aufsichtsführender benannt werden. Dieser muss die oben erwähnte Sachkunde besitzen und bei den Arbeiten vor Ort anwesend sein.

Unterweisung der ausführenden Personen

Es empfiehlt sich, die ausführenden Personen rechtzeitig vor den Arbeiten, mindestens jedoch jährlich, im richtigen Umgang mit den Asbestzementprodukten und den zugehörigen Schutzmaßnahmen zu unterweisen. Welche Punkte dabei zu behandeln sind, ist in Anhang I Nr. 2, Punkt 2.4.5 der GefStoffV aufgeführt.

Achten Sie bei den Unterweisungen auf die schriftliche Dokumentation der Teilnehmenden. Näheres siehe Kapitel Mitarbeiterschulung.

Einhalten der Schutzmaßnahmen aus der TRGS 519

Die Schutzmaßnahmen gegen das Freisetzen von Asbestfasern und den Schutz vor Einatmen der Fasern bei der Demontage müssen unbedingt beachtet werden. Dabei hilft das auch von der TRGS 519 vorgeschrieben Element des Arbeitsplans. Dieser ist vor Beginn der Arbeiten zu erstellen und bereits der Anzeige beizufügen.

Hilfen für das staubarme Arbeiten gibt es in Form zugelassener staubarmer Verfahren. Diese sind auf der Seite des Instituts für Arbeitsschutz der DGUV (IFA) aufgeführt und umfassen beispielsweise das Anbohren von asbesthaltigen Fassadenplatten oder das Abschleifen asbesthaltiger Kleber. Zusammengefasst sind diese zugelassenen Verfahren in der BG-Information BGI 664 - Verfahren mit geringer Exposition gegenüber Asbest bei Abbruch-, Sanierungs- und Instandhaltungsarbeiten.

TIPP: Es ist durchaus ratsam, sich die Schutzmaßnahmen und deren Anwendung vor Ort einer sorgfältigen Kontrolle durch den Aufsichtsführenden zu unterziehen. Dies dient zweierlei: Zum einen kann damit der Gesundheitsschutz der Ausführenden, zum anderen das Vermeiden eines unbeabsichtigten Austrags von Asbestfasern aus dem Arbeitsbereich wirksamer unterstützt werden. Gerade durch Letzteres können unangenehme Folgen wie Nachbarschaftsbeschwerden, zusätzliche Reinigungsarbeiten, der Verlust des Versicherungsschutzes oder gar strafrechtliche Konsequenzen vermieden werden.
Entsorgung
Kennzeichnung Asbestabfälle Die ausgebauten asbestzementhaltigen Bauteile sollten vorsichtig gehandhabt (nicht werfen) und am besten umgehend staubdicht verpackt werden. Dies kann beispielsweise in staubdichten Fässern (Kleinteile) oder bei größeren Plattenmaterialien auf Paletten erfolgen, auf denen die alten Wellplatten mit reißfester Folie verpackt werden. Zusätzlich ist eine Kennzeichnung der Verpackung mit dem nebenstehenden Warnzeichen vorzunehmen.

Werden bei den Arbeiten entstandene Stäube aufgenommen, so sollte bei den Staubsaugern unbedingt darauf geachtet werden, dass nur solche mit der richtigen Eignung (Staubklasse H mit zusätzlicher Freigabe für Asbeststäube) verwendet werden.

Da Asbestzementabfälle mit der letzten Änderung des Abfallverzeichnisses als gefährliche Abfälle eingestuft wurden (17 06 05* ─ Asbesthaltige Baustoffe), sind eine ganze Reihe von abfallrechtlichen Punkten zu beachten. Zudem werden von manchen Behörden inzwischen auch für den Transport dieser Abfälle Sachkundenachweise nach TRGS 519 verlangt.

Für Betriebe, die pro Jahr weniger als 20 Tonne Asbestzementprodukte entsorgen müssen. empfiehlt es sich, die Möglichkeit der Sammelentsorgung zu nutzen. In Verbindung mit der Beauftragung eines spezialisierten Entsorgungsfachbetriebs lassen sich die Entsorgungspflichten so am einfachsten handhaben.

Weitere Informationen finden Sie hierzu im Kapitel Abfallentsorgung.

Betriebe, die diese Möglichkeit nicht nutzen können, sind auf das Verfahren des Entsorgungsnachweises angewiesen. Darüber hinaus sollten hier folgende Punkte beachtet werden:
  • Für diese Abfälle besteht Andienungspflicht an die SAA. Zwar werden sie letztlich den regionalen Entsorgungsanlagen zugewiesen, dennoch ist ein formelles Anzeigeverfahren bei der SAA durchzuführen und zu bezahlen. Nähere Informationen sowie eine aktuelle Preisliste erhalten Sie direkt bei der SAA.
  • Vorab sollte mit der zuständigen Abfallbehörde die Frage der Transportgenehmigungspflicht geklärt werden.
  • Beim Transport sind die Vorschriften der GGVSEB zu beachten. Näheres hierzu siehe im Kapitel Gefahrgut.
Tipp: Aus Umweltsicht stellt die energetische Modernisierung alter asbestzementgedeckter Dächer oder -verkleideter Fassaden die optimale Lösung dar. Da dies auch für den ausführenden Maler- und Stuckateurbetrieb letztlich interessanter ist, kann gegenüber dem Auftraggeber, außer der latenten Faserfreisetzung durch verwitternde Platten, noch folgendes Argument eingesetzt werden: Privatpersonen können die Kosten für Demontage und Entsorgung von asbestzementhaltigen Bauteilen - in Abhängigkeit von deren Restlebensdauer ─ steuerlich als außergewöhnliche Belastung geltend machen.

Glossar

GefStoffV
Verordnung zum Schutz vor gefährlichen Stoffen (Gefahrstoffverordnung - GefStoffV).
Den Verordnungstext finden Sie hier


Gefährliche und nicht gefährliche Abfälle
Abfälle werden in gefährliche und nicht gefährliche Abfälle eingeteilt. Die als gefährlich einzustufenden Abfälle werden in der Abfallverzeichnisverordnung festgelegt und sind dort mit einem Stern gekennzeichnet. Ein Abfall gilt als gefährlich, wenn er eines oder mehrere Gefahrenmerkmale aufweist (z.B. Flammpunkt kleiner 55 °C oder Konzentration sehr giftiger Stoffe größer/gleich 0,1 %). Die frühere Differenzierung in besonders überwachungsbedürftige, überwachungsbedürftige und nicht überwachungsbedürftige Abfälle ist 2007 entfallen. Detaillierte Informationen über Sonderabfälle, gefährliche Abfälle und besonders überwachungsbedürftige Abfälle liefert beispielsweise das Umweltbundesamt.

GGVSEB
Verordnung über die innerstaatliche und grenzüberschreitende Beförderung gefährlicher Güter auf der Straße, mit Eisenbahnen und auf Binnengewässern (Gefahrgutverordnung Straße, Eisenbahn und Binnenschifffahrt - GGVSEB). 
Den Verordnungstext finden Sie hier


Sonderabfallagentur (SAA)
Die SAA Sonderabfallagentur Baden-Württemberg GmbH überwacht in Baden-Württemberg die Entsorgung von gefährlichen Abfällen. Im Rahmen der Andienungspflicht für Sonderabfälle lenkt die SAA gefährliche Abfälle in die zentrale Einrichtung des Landes (Sonderabfalldeponie Billigheim). Weiterhin ist die SAA Erzeuger- und Entsorgerbehörde für baden-württembergische Erzeuger und Entsorger von gefährlichen Abfällen im Rahmen der Nachweisverordnung. Sie ist damit zuständig für die Bearbeitung und Prüfung von Entsorgungsnachweisen und Begleitscheinen. Im Hinblick auf die Bundesländer übergreifende Entsorgung von gefährlichen Abfällen nimmt die SAA für das Land Baden-Württemberg die Knotenstellenfunktion wahr.

Darüberhinaus ist die SAA für den Vollzug der EG-Abfallverbringungsverordnung zuständig. Dabei ist die SAA bei grenzüberschreitenden Abfallverbringungen für die Durchführung von Notifizierungsverfahren zuständig, wenn die Beförderung der gefährlichen Abfälle in Baden-Württemberg beginnt oder die gefährlichen Abfälle in Baden-Württemberg erstmals behandelt, gelagert oder abgelagert werden.



Staubklasse
Staubsauger, mit denen gefährliche Stoffe aufgesaugt werden sollen, müssen auf die Gefahren des Staubes abgestimmt sein. Ein Kriterium ist z.B. ist die Explosionsfähigkeit des Staubes. Einen Überblick über die aktuellen Staubklassen finden Sie hier.

TRGS 519
Die Technische Regel Gefahrstoffe TRGS 519 Asbest - Abbruch-, Sanierungs- oder Instandhaltungsarbeiten enthält die Vorgaben zum Umgang mit Asbest gemäß dem Stand der sicherheitstechnischen, arbeitsmedizinischen sowie hygienischen Erkenntnisse. 
Die Technischen Regeln finden Sie hier.




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