Seit 01.01.15 wird diese Plattform nicht mehr gepflegt.

Betrieblicher Umweltschutz in Baden-Württemberg
 
StartseiteSitemap Über unsNewsPartnerWichtige LinksVeranstaltungen    Notizzettel ImpressumDatenschutz Schmuckbild Rechts
 

Vorbehandlung: Entgiftung von Galvanikabwässern

Wesentliches Ziel der ersten Stufe der Abwasserbehandlung ist die Entfernung bzw. Umwandlung gefährlicher Inhaltsstoffe aus dem jeweiligen Prozesswasser. Dies betrifft insbesondere die
  • Zerstörung von Cyaniden und Nitriten durch Oxidationsverfahren
  • Umwandlung von Chromaten zu Chrom (III)

Abwasserteilströme, die o. g. gefährlichen Stoffe nicht enthalten, können direkt der Metallfällung (Hauptstufe) zugeführt werden.

Verfahren zur Cyanidoxidation

Cyanide sind giftig und haben ein hohes Gefährdungspotenzial.

Nach Möglichkeit sollte in erster Priorität geprüft werden, ob cyanidhaltige Chemikalien nicht durch eine Verfahrensänderung substituiert werden können oder ob sich zumindest die Mengen durch Kreislaufführung, z. B. durch Eindampfen der cyanidhaltigen Spülwässer und Rückführung der Wirkstoffe reduzieren lassen. Bei kleinen Konzentratmengen ist eine Entsorgung kostengünstiger als eine zusätzliche Abwasserbehandlungsstufe.

Sind im Abwasser jedoch Cyanide enthalten, müssen sie zuverlässig durch Oxidation entfernt werden. Hierzu stehen die folgenden Verfahren zur Verfügung:

  • Cyanidoxidation mit Wasserstoffperoxid und UV-Strahlung
  • Cyanidoxidation mit Natriumhypochlorit
  • Anodische Oxidation cyanidischer Spülwässer

Die Cyanidentgiftung mittels Wasserstoffperoxid in Kombination mit UV-Strahlung ist das deutlich umweltfreundlichere Behandlungsverfahren. Gegenüber der klassischen Behandlung mit Natriumhypochlorit wird die Salzfracht im Abwasser deutlich reduziert und es tritt eine deutlich verringerte AOX-Bildung auf. Das Verfahren ist jedoch technisch anspruchsvoller und verlangt eine gute Abstimmung auf die im Abwasser enthaltenen Schadstoffe. Die Abwassergrenzwerte (0,2 mg/l gemäß Anhang 40) werden sicher eingehalten. Schwer oxidierbare cyanidhaltige Feststoffe können den Cyanidgehalt im Schlamm erhöhen. Prüfen Sie daher die Umsetzbarkeit des Verfahrens zusammen mit Ihrem Anlagenhersteller und Ihrem Entsorger.

Insbesondere kupferhaltige cyanidische Spülwässer sollten per anodischer Oxidation zwecks Zerstörung der Cyanide bei gleichzeitiger Metallrückgewinnung behandelt werden. Mit wirtschaftlich vertretbarem Energiebedarf (Strom) kann der Cyanidgehalt auf < 0,1 mg/l reduziert werden. Durch die Metallrückgewinnung wird gleichzeitig das Abfallaufkommen (Schlamm) reduziert.

Bild: Behälter zur Entgiftung cyanidischer Abwässer
Behälter zur Entgiftung cyanidischer Abwässer
Quelle: VMBG-Info Sicherheit + Gesundheit, Nr. 3/05 Schwerpunkt Galvanotechnik

Verfahren zur Nitritreduzierung

Nitrit kann entweder zu Nitrat oxidiert oder zu Stickstoff reduziert werden. Beide Verfahren werden im schwachsauren Bereich (um pH 4) durchgeführt.

  • Nitritoxidation mit Wasserstoffperoxid (H2O2 )
  • Nitritreduktion, z. B. mit Amidosulfonsäure oder Hydrogensulfit

Beide Verfahrensvarianten weisen verfahrensspezifische Vor- bzw. Nachteile auf. Bei der Oxidation mittels Wasserstoffperoxid muss mit der Bildung giftiger nitroser Gase gerechnet werden. Hier ist eine Absaugung erforderlich. Der Einsatz von Chlorbleichlauge als Oxidationsmittel ist wegen der AOX-Bildung nicht mehr gängig.

Meist wir zur Nitritreduktion Amidosulfonsäure eingesetzt. Dabei steigt allerdings der Sulfatgehalt im Abwasser. Alternativ kann die Behandlung auch mit Hydrogensulfit (Bisulfit) erfolgen. Dies ist besonders dann vorteilhaft, wenn im Abwasser neben Nitrit auch Chromate vorliegen, die dann gemeinsam entgiftet werden können. Auch hier muss mit steigenden Sulfatgehalten im Abwasser gerechnet werden.

Verfahren zur Chromatreduktion

Ist im Abwasser sechswertiges Chrom enthalten, muss es zuverlässig zu Chrom (III) umgewandelt werden. Auch hier sollte in erster Priorität geprüft werden, ob durch einen Verfahrenswechsel auf Chrom (VI)-freie Verfahren umgestellt werden kann. Zur Chromatentgiftung stehen folgende Verfahren zur Verfügung:

  • Chromatreduktion mit Natriumdithionit
  • Chromatreduktion mit Natriumbisulfit

Bei der Chromatreduktion mit Natriumdithionit lassen sich die Einleitgrenzwerte (0,1 mg/l gemäß Anhang 40) zuverlässig einhalten. Durch den Einsatz des Natriumdithionits in fester Form entfällt die Bereitstellung eines Lagertanks. Weiterhin gibt es keine Probleme mit Schwefeldioxid-Emissionen. Die Chemikalienkosten sind jedoch höher.

Wird Natriumbisulfit als Reduktionsmittel eingesetzt, so entstehen, neben der zusätzlichen Schwefelproblematik, deutlich höhere Schlammmengen.

Glossar

Anhang 40
Anhang 40 der Abwasserverordnung betrifft u.a. Galvaniken, den Bereich Metallbearbeitung und Lackieren.
Den Verordnungstext des Anhang 40 finden Sie hier.


AOX
Der AOX (Adsorbierbare Organisch gebundene Halogene) ist ein Summenparameter der chemischen Analytik, der vornehmlich zur Beurteilung von Wasser und Klärschlamm eingesetzt wird. Es dürfen keine Reinigungsmittel verwendet werden, die AOX im Abwasser erzeugen.

Gefährdungspotential
Das Gefährdungspotential ist das Maß für den möglichen Eintritt einer Gefahr. Das Gefährdungspotential von Anlagen wird abgeleitet aus einer Betrachtung von Schadstoffarten und -mengen (Emissionspotential), der Ausbreitungsmöglichkeiten (Transmissionspotential) und der Einschätzung der Auswirkungen auf Mensch und Umwelt (Immissionspotential). Dabei wird die Möglichkeit der technikbezogenen Störung mit einbezogen. Das Gefährdungspotential von Anlagen zum Umgang mit wassergefährdenden Stoffen wird beispielweise vom Volumen und der Wassergefährdungsklasse der in der Anlage vorhandenen wassergefährdenden Stoffe sowie der hydrogeologischen Beschaffenheit und Schutzbedürftigkeit des Aufstellungsortes bestimmt.

Gefährliche Stoffe
Gefährliche Stoffe werden durch die Richtlinie 67/548/EWG für die Einstufung, Verpackung und Kennzeichnung gefährlicher Stoffe festgelegt. Seit dem 1. Dezember 2010 gelten für Stoffe geänderte Einstufungs- und Kennzeichnungsvorschriften. Für Gemische sind die neuen Regelungen ab dem 1. Juni 2015 anzuwenden. Die altbekannten Symbole und Begriffe werden nahezu komplett ersetzt. Die neuen Vorgaben werden durch die neue europäische Verordnung (EG) Nr. 1272/2008 über die Einstufung, Kennzeichnung und Verpackung von Stoffen und Gemischen (auch GHS-Verordnung genannt) festgelegt.



Wie beurteilen Sie diesen Artikel?      hilfreich    
                    
  weniger hilfreich

Grafik Druck  Drucken       Grafik Notiz  Zum Notizzettel hinzufügen       Grafik Linkbox  Kommentare schreiben       Grafik Linkbox  Kommentare lesen (0)
 
 
Kommentare
Literatur
Adressen