Seit 01.01.15 wird diese Plattform nicht mehr gepflegt.

Betrieblicher Umweltschutz in Baden-Württemberg
 
StartseiteSitemap Über unsNewsPartnerWichtige LinksVeranstaltungen    Notizzettel ImpressumDatenschutz Schmuckbild Rechts
 

Fassadenreinigung

Beim Reinigen und Abbeizen von Fassaden entstehen Umweltbelastungen durch abgelöste Verunreinigungen und eingesetzte Chemikalien. Aus Sicht des Umweltschutzes ist es das Ziel, mit möglichst wenig Chemie ein optimales Ergebnis zu erzielen. Das Entstehen von Abfällen und belastetem Abwasser soll der Fachbetrieb so gering wie möglich halten. Fällt trotzdem belastetes Abwasser an, darf er dies nur in den seltensten Fällen unbehandelt in die Kanalisation einleiten. Meist ist eine vorherige Reinigung und Aufbereitung erforderlich. Details hierzu regeln die Gemeinden oder Unteren Abwasserbehörden (Landratsamt) regional unterschiedlich.
mauer mit graffiti
Quelle: henteaser / flickr.com

Verschmutzungsarten

Das Reinigen von Außenfassaden kann entweder aufgrund von Verschmutzungen der Fassadenoberfläche oder aus Anlass geplanter Neubeschichtungen notwendig sein. Verschmutzungen auf den Fassaden lassen sich in drei wesentliche Gruppen einteilen:
  • mineralische Verschmutzungen, z.B. Staub, Zementschleier, Auswaschungen, Verwitterungsprodukte, Gipskrusten
  • organische Verschmutzungen, z.B. fettige Ruß- und Staubablagerungen, Vogelkot, Algen, Schimmelpilze, Moose
  • sonstige Verschmutzungen, z.B. Graffiti
Verschmutzungen an Fassaden enthalten sehr oft auch Spuren von Schwermetallen wie Kupfer, Zink oder Blei.

Umweltbelastungen

Die zentralen Umweltbelastungen aus der Fassadenreinigung bestehen aus:
  • Abfall aus der trockenen Fassadenreinigung, z.B. Staub, Putzreste
  • Staubentwicklung bei der trockenen Fassadenreinigung
  • Abfall aus der Abwasserbehandlung, z.B. abgesetzter Schlamm, Filter, Flockungsmittel
  • verschmutzte Abdeckmaterialien, z.B. Folien, Teppichreste
  • achlammartige Rückstände bei Entschichtungsarbeiten mit Abbeizmitteln
  • Abwasser aus nassen Reinigungsverfahren
  • Lärm aus dem Einsatz von Hochdruckreinigungsverfahren (Tipps zum verbesserten Lärmschutz bei der Fassadenreinigung finden sich im Kapitel Strahlarbeiten)
Ziel der Fassadenreinigung aus Umweltsicht ist es, das Reinigungsergebnis möglichst ohne Reinigerzusatz, mit einem Minimum an Abfällen und einer möglichst unproblematischen Abwasserzusammensetzung zu erzielen.

TechnischeAusführung Zusatzstoffe Rückstände im Abwasser Vorkehrungen bzw. Abwasser-behandlung Information der Gemeinde / der unteren Wasserbehörde
nur mit Wasser  keine 

lose Putz- und
Farbteilchen,
Fassaden-
verschmutzung 

Feststoffrück-
haltung 
(Folienabdeckung
bei unbefest-
igten Flächen)
in der Regel
nicht
erforderlich 
mit Zusatz von
tensidhaltigen
Reinigungsmitteln 
biologisch
abbaubare
Tenside 
wie oben, zu-
sätzlich biolog-
isch abbaubare
Reinigungsmittel 
 
mit Zusatz von
sauren oder
alkalischen
Reinigungsmitteln 
Säuren
und
Laugen 
wie oben, zu-
sätzlich Säuren
und Laugen
(niedriger bzw.
hoher pH-Wert)
 
Feststoffrück-
haltung, pH-Wert
bestimmen,
ggf. Wasser
auffangen und
auf einen pH-
Wert zwischen
6,5 - 9,5
einstellen 
in der Regel nur
dann erforderlich,
wenn der pH-
Wert des Ab-
wassers
< 6,5 (sauer)
oder > 9,5
(alkalisch) liegt
und daher
behandelt
werden muss 
Überblick der gebräuchlichsten Nassreinigungsverfahren

Vor Beginn der Reinigungsarbeiten

Behörden: Unterrichtung und Genehmigung

Wichtig für jegliche Art der nassen Fassadenreinigung ist das vorherige Abklären der Einleitstelle für das Abwasser sowie die konkreten Bedingungen, die bei einer Einleitung eingehalten werden müssen. Dazu muss rechtzeitig vorher (i.d.R. mindestens 14 Tage vorab) mit dem Kanalbetreiber eine Klärung herbeigeführt werden. Meist ist ein formaler Antrag zur Einleitung zu stellen, den die Behörde genehmigen muss.

TIPP: Für Kleinbetriebe ist die Kleinmengenregelung interessant. Bei zu reinigenden Fassadenflächen von weniger als 300 m² Fläche (Richtwert für Ein-bis Zweifamilienhäuser) und einem pH-Wert von 6,5 bis 9,5 des unbehandelten Abwassers kann auf eine Information der Gemeinde verzichtet werden. Dies gilt jedoch nicht bei Verwendung von CKW-haltigen Abbeizmitteln.
Voruntersuchungen und Musterfläche
Gründliche Voruntersuchungen der zu reinigenden Flächen sind unerlässlich. Sie sollten sich auf Untergrundart (kalk- oder silikathaltig), Grad und Art der vorhandenen Verschmutzungen sowie deren Verteilung auf der Fläche beziehen. Außerdem sind die örtlichen Gegebenheiten hinsichtlich des Verwendens von Folienwannen und mögliche Einleitstellen abzuklären.

Durch Vorversuche sollten mögliche Reinigungstechniken und -produkte an unauffälliger Stelle auf ihre Wirkung hin getestet werden. Gegebenenfalls ist das Anlegen einer repräsentativen Musterfläche sinnvoll. Dadurch ergibt sich die Möglichkeit, die nachfolgenden Reinigungsarbeiten optimal am Bedarf auszurichten.

Grundsätzlich sollte der Fachbetrieb umweltfreundlichen Reinigungsmitteln immer den Vorzug geben. Dazu ist es ratsam, bei der Auswahl – neben der im Vordergrund stehenden Reinigungswirkung – auch auf die gute biologische Abbaubarkeit, praxisnahe Dosiersysteme, den pH-Wert und den Anteil an leichtflüchtigen Substanzen zu achten.

Reinigungsdurchführung


Reinigungsverfahren
Als Reinigungsverfahren steht eine Vielzahl unterschiedlicher Varianten zur Verfügung, deren Einsatz sorgfältig auf den zu reinigenden Untergrund abgestimmt werden muss. Grob lassen sich diese Verfahren in folgende Gruppen einteilen:
  • trockene Verfahren, z.B. Abfegen, Abbürsten, Abblasen, Absaugen
  • Nassverfahren ohne Reinigungsmittel, z.B. Abwaschen/Abwischen mit Schwämmen oder Bürsten, Abspritzen mit Schlauch oder Hochdruckreinigungsgerät, teils unterstützt durch hohe Wassertemperaturen bis hin zum Dampfstrahlen
  • Nassverfahren mit Reinigungsmittel, z.B. mit alkalischen, tensidhaltigen oder lösemittelhaltigen Reinigern; teilweise mit Strahlmittelzusatz
  • Entschichtung mit Abbeizmittel, z.B. alkalische Abbeizmittel, CKW-freie Abbeizmittel − siehe hierzu das Kapitel Entschichten und Abbeizen
Reinigungsmittel
Sofern mit trockenen Verfahren kein ausreichender Reinigungseffekt erzielt werden kann, besteht die Möglichkeit, die Reinigungswirkung durch Einsatz geeigneter Reinigungschemikalien zu verbessern. Die Reinigungsmittel müssen sorgfältig auf den Untergrund abgestimmt werden und haben die Aufgabe, die Schmutzkruste aufzuschließen und löslich zu machen. Die Abstimmung auf den Untergrund ist insbesondere dann wichtig, wenn die zu reinigende Fassadenfläche unterschiedliche Materialien aufweist. Die Dosiervorgaben des Herstellers sind strikt einzuhalten.

Als Reinigungsmittel kommen bei Maler- und Stuckateurbetrieben vor allem folgende Produkte zum Einsatz:
  • tensidhaltige Reiniger: enthalten biologisch gut abbaubare Tenside
  • alkalische Reiniger: auf Basis von Natron- oder Kalilauge, soda- oder ammoniakalischen Lösungen
  • saure Reiniger: breiter Einsatzbereich; von Rostentfernen über hartnäckige Schmutzkrusten beispielsweise durch Ausblühungen − bis hin zu Algen oder Moosen
  • lösemittelhaltige Reiniger: bei Verschmutzungen durch Teer, Bitumen oder Fett, falls tensidhaltige Reiniger nicht ausreichen
Eine andere Einteilungsmethode für Reinigungsmittel basiert auf dem pH-Wert:
  • stark alkalische Reiniger (pH > 12); beispielsweise für hartnäckige Fettverschmutzungen
  • mild alkalische Reiniger (pH 8 bis 10); universell anwendbar, da kein Angriff der Oberfläche
  • Neutralreiniger (pH 7-9); für leichtere Reinigungsaufgaben; auch mit Korrosionsschutz für Metalle kombinierbar
  • Saure Reiniger (pH 3-5); oft auf Alkaliphosphat-Basis; ergeben haftverbessernde Phosphatschichten auf Metallen; für kalkhaltige Untergründe nicht geeignet
In der Regel müssen den eigentlichen Reinigungsvorgängen noch Spülvorgänge nachgeschalten werden, um Reinigungsmittelreste zu entfernen und den pH-Wert wieder neutral einzustellen.

Tipp: Bei stark saugenden Untergründen kann der Verbrauch an Reinigungsmittel gering gehalten werden indem man den Untergrund vorher anfeuchtet. Zudem wird dadurch der nachträgliche Spülaufwand geringer.
Abwasseraufbereitung und -beseitigung

Abwasser auffangen
Abwasser aus der Fassadenreinigung darf nicht einfach versickern oder in die Kanalisation eingeleitet werden. Ersteres ist strikt verboten und kann sogar strafrechtlich verfolgt werden. Zumindest muss immer eine Grobreinigung mit dem Ausfiltern von Schwebstoffen erfolgen. Deshalb ist darauf zu achten, dass an der Fassade ablaufendes Abwasser sicher aufgefangen und in Sammelbehälter geleitet wird. Folgende Möglichkeiten sind gebräuchlich:
  • Folienwannen sammeln das Abwasser am Fuß der Fassade auf. Das Gerüst steht in der Regel innerhalb der Wanne.
  • Ablaufrinnen sind besonders dort geeignet, wo während der Reinigung Bereiche frei bleiben müssen, beispielsweise bei Hauseingängen. Sie werden mit Halterungen am Gerüst befestigt.
  • Bodeneinläufe lassen sich eventuell bei versiegelten Hof- oder Straßenflächen zur Sammlung der Abwasser am tiefsten Punkt nutzen.
  • Regenrinnen können überall dort zur Ableitung des Abwassers genutzt werden, wo sich die zu reinigende Fläche ausschließlich oberhalb davon befindet.
Egal für welches Verfahren sich der Fachbetrieb entscheidet, das vollständige Sammeln des anfallenden Abwassers muss gewährleistet sein. Dies beinhaltet insbesondere:
  • wirksames Abplanen des gesamten Arbeitsbereiches/Gerüstes
  • beschädigungsfreier Aufbau von Ablaufrinnen oder Folienwannen
  • laufende Kontrolle aller flüssigkeitsführenden Anlagenteile z.B. Pumpen, Schläuche, Sammelbehälter und Aufbereitungsanlagen

Tipp: Der alternative Einsatz von Sprüh-Saug-Systemen (Abbeizkrake) für kleine Flächen reduziert die Umweltbelastung. Bei diesen Verfahren wird die Reinigungsflüssigkeit innerhalb einer geschlossenen Haube auf die Oberfläche aufgespritzt, gleich wieder abgesaugt und im Kreislauf gefahren.
Beispiel für eine Folienwanne und einem Gerüst
Folienwanne am Fuße der Gerüsts zum Auffangen von belastetedem Reinigungswasser.

Schematische_Darstellung













Schematische Darstellung einer Auffangwanne


  Beispiel für eine Folienrinne mit Ablauf










Auffangrinne für die Befestigung am Gerüst.Quelle: BG Bau

Abwasser reinigen

Feste Bestandteile

Abhängig von den konkreten Inhaltsstoffen, die sich aus dem gereinigten Untergrund, dem entfernten Schmutz, dem verwendeten Reinigungsmittel und dem Reinigungsverfahren ergeben, muss das Abwasser vor Einleitung in die Kanalisation einer Behandlung unterzogen werden.

Auf jeden Fall muss bei dem anfallenden Abwasser ein Abtrennen der absetzbaren Stoffe erfolgen. Im einfachsten Fall erfolgt dies durch Absetzen in einem Auffangbehälter. Auch der Einsatz von Sandbarrieren oder Teppichresten zur Filterung kann genügen. In allen Fällen empfiehlt sich eine regelmäßige Sichtkontrolle des Klarlaufes auf Verunreinigungen. So kann eine sich erschöpfende Reinigungswirkung frühzeitig erkannt und dagegengesteuert werden.

Im Fall des Absetzens in Sammelbehältern ist es empfehlenswert, genügend Absetzzeit einzuplanen und das Absetzverhalten gegebenenfalls durch Flockungsmittel zu unterstützen. Dies hat darüber hinaus den Vorteil, den Mitnahmeeffekt für Schadstoffe aus dem Abwasser in den Schlamm zu verstärken. Vor der nächsten Nutzung des Absetzbehälters sollte auf ein gründliches Entfernen des abgesetzten Schlamms ohne erneuten Eintrag ins Abwasser geachtet werden.

Bewährt haben sich mobile Abwasserbehandlungsanlagen, die über eine Schwerkraftabscheidung − gegebenenfalls unterstützt durch die Zugabe von Fällungs- und Flockungsmitteln − eine Vorreinigung vornehmen. Nähere Informationen hierzu finden sich im Kapitel Abwasserbeseitigung.

Gelöste Bestandteile

Werden bei der Fassadenreinigung Chemikalien eingesetzt, die eine lösende Wirkung auf die Verunreinigungen haben, ist eine Aufbereitung des Abwassers zwingend erforderlich. Die Verfahren sind vielfältig und immer auf den Einzelfall abzustimmen.
  • Saure oder Alkalische Reinigungsmittel: Durch Zugabe von Säuren, Laugen oder pH-Puffer lässt sich das Abwasser neutralisieren.
  • Halogen- und aromatenfreie Lösemittel: einfache Nachbehandlung durch Abtrennen der absetzbaren Stoffe und Ableitung der Klarphase in die Kanalisation.
  • Halogenorganische Lösemittel oder aromatische Kohlenwasserstoffe: wie vor, jedoch ist die Klarphase über Aktivkohlefilter zu führen.
Erfordert die Abwasserzusammensetzung eine weitergehende Aufbereitung, so darf dies nur in Anlagen mit wasserrechtlicher Genehmigung und allgemeiner bauaufsichtliche Zulassung erfolgen. Sofern weitergehende Abwasserbehandlungsanlagen eingesetzt werden müssen, lohnt es sich, bei deren Auswahl auf die Möglichkeit der erneuten Nutzung des gereinigten Abwassers zu achten. Durch Kreislaufführung lassen sich hier erfahrungsgemäß 30 bis 50 % Frischwasser sparen!

Da der Betrieb solcher Anlagen spezielle Kenntnisse erfordert und einigen anlagentechnischen Aufwand mit sich bringt, vergeben die meisten Maler- und Stuckateurbetriebe solche Arbeiten an spezialisierte Fachbetriebe. Dies empfiehlt sich auch bei großen Flächen und schwierigen Untergründen.

TIPP: Es lohnt sich, die Abwasserbehandlung gut zu organisieren und mit der Abwasseraufbereitung zeitnah zu verknüpfen. Dadurch entfällt ein längerfristiges Zwischenspeichern des Abwassers, womit man Platz spart und negative Begleiterscheinungen, wie Geruchsentwicklung und erhöhter Aufwand für die Behälterreinigung, minimiert.
Sonderfall Asbest

Ein spezieller Fall ist das Reinigen asbesthaltiger Fassadenverkleidungen. Dieses kann ausnahmsweise erfolgen, wenn für die Reinigungsarbeiten ein geschlossenes Sprüh-Saug-System eingesetzt wird, das eine Faserfreisetzung sicher vermeidet. Dieses System darf jedoch nur von Betrieben eingesetzt werden, die eine Sachkunde nach der TRGS 519 besitzen. Auch das übliche Anzeigeverfahren für Asbestarbeiten ist einzuhalten.

Generell ist es sinnvoll, dem Kunden als Alternative zum Reinigen solcher Fassaden einen Neuaufbau in Verbindung mit dem Anbringen eines modernen Wärmedämmverbundsystems zu empfehlen. Damit lassen sich zum einen steigende Entsorgungskosten für die asbesthaltigen Fassadenplatten vermeiden und zum anderen die Vorteile der energetischen Aufwertung der Fassade nutzen.

Weitere Informationen finden Sie in den Kapiteln Abwassereinleitung und Entschichten und Abbeizen.


Wie beurteilen Sie diesen Artikel?      hilfreich    
                    
  weniger hilfreich

Grafik Druck  Drucken       Grafik Notiz  Zum Notizzettel hinzufügen       Grafik Linkbox  Kommentare schreiben       Grafik Linkbox  Kommentare lesen (0)
 
 
Kommentare
Links
Literatur
Adressen